Preisträger 2020

Hauptpreis der Jury

Der Hauptpreis des Festivals geht ex aequo neben Masel Tov Cocktail an Der Wächter. DAS PREISGELD WIRD GETEILT.

Teil 1: DER WÄCHTER, Spielfilm von Albin Wildner, AT 2019

Brennende Themen, aktuelle politische Bezüge und eine spezielle Lebenssituation: So leuchtet DER WÄCHTER das Schicksal eines vom Leben nicht gerade Begünstigten aus.

Im besten Sinne realistisch zeichnet der Regisseur Albin Wildner von der Wiener Filmakademie in subtilen Bildern einen Menschen, der seinen Abstieg nicht gerade gern hinnehmen will. Die Mutter ein Pflegefall, beruflich in prekären Verhältnissen, wird er vom Arbeitsamt gezwungen, einen Job als Security und Nachtwächter anzunehmen. So gerät der über 50 Jährige in eine für ihn neue Welt des Werkschutzes. Eine Welt, die ihn gleichzeitig unterfordert wie überfordert.

Das Ensemble der Darsteller ist fein abgestimmt geführt. Aber Hauptdarsteller Rainer Wöss trägt den Film von Anfang an mit seinem minimalistischen und unpathetischen Spiel. Überzeugt hat die Jury u.a. auch, dass die Gestaltung nie auf „billige Effekte“ setzt, viel mehr die filmischen Mittel sich in den Dienst der Geschichte und der hochaktuellen Thematik stellen und uns trotzdem, emotional erreicht: der Verlust von Arbeit trifft uns Menschen ins Mark.

» weitere Informationen zum Film bei der Filmakademie Wien

Teil 2: MASEL TOV COCKTAIL, Dramedy von Arkadij Khaet, D 2020

MASEL TOV COCKTAIL erhält außerdem den Preis gegen Antisemitismus und den Preis der Schulfilmzeit.

Laudatio Rudolf Krause:

Ein junger Mann, die Hauptfigur des Films, wendet sich direkt ans Publikum, spricht direkt in die Kamera. Selbstironisch und konfrontierend nimmt er es mit auf einen Weg durch sein ganz normales Leben als in Deutschland lebender russischstämmiger Jude. Er tut das so wild entschlossen, humorvoll und manchmal verzweifelt als wolle er den gesamten Ballast von Vorurteilen und eingefahrenen Selbstbildern radikal entrümpeln .

Arkadij Khaet, Micky Paatzsch und allen Beteiligten gelingt mit MASEL TOV COCKTAIL ein enorm direkter, kluger und komödiantischer Beitrag zu der Frage, wie wir offener im Herzen und Köpfen miteinander leben können und ob wir alle irgendwann einmal einfach die sein dürfen die wir sind.

Regie/Drehbuch: Arkadij Khaet
Produktion: Christine Duttlinger, Ludwig Meck, Lotta Schmelzer – Filmakademie Baden-Württemberg
Besetzung: Alexander Wertmann, Mateo Wansing Lorrio

Innovationspreis der Jury: Freeze Frame

Men at Icework!

Der Innovationspreis geht an einen experimentellen Animationsfilm, der poetisch und assoziativ ist. Der Film nutzt die traditionelle Technik des Stoptricks und spielt auf innovative Weise mit dem Material, um die Routinen und Mühen körperlicher Arbeit sichtbar zu machen.

Er wirkt auf den ersten Blick kühl und hat uns doch emotional berührt. Wie in einer Schatulle wird die Vergänglichkeit des Lebens von Mensch und Tier in einer hermetischen Eislandschaft präsentiert. Der Zuschauer wird selbst zum Beobachter, Sammler und Naturforscher und ist doch Teil der Inszenierung.

Der Innovationspreis geht an „Freeze Frame“ von Soetkin Versteken, Belgien / Deutschland / Finnland 2019, 5 min.

Lobende Erwähnung zum Innovationspreis: Ekstase

Laudatio Innovation, Special Mention:

Die Autorin wirft ihren female Gaze in das Filmarchiv, sie zerlegt die Filmhistorie und setzt sie neu zusammen – um uns ein Crashkurs zu geben durch die Geschichte der weiblichen Stigmatisierung und Unterdrückung! Die Frau am Rande des Wahnsinns, die so gegen das Patriarchat rebelliert, wird von dem Mann behandelt, der sich wie ein großer Denker stilisiert. Mit diesem Narrativ spannt dieses Werk den Bogen über ein Jahrhundert, entlarvt dieses Bild – und wird dadurch zum feministischen Empowerment – Ekstase, Experimentalfilm von Marion Kellmann, D 2019, 11 min.

Preis der dokufilmzeit: My past, not your future

Begründung:

Johannes Krug nimmt uns mit in seine schwäbische Heimat, in eine Ferienfreizeit der katholischen Jugend. Anhand von dem Lied „Negeraufstand ist in Kuba", das bis vor gar nicht allzu langer Zeit mit Inbrunst am Lagerfeuer geschmettert wurde, wirft er die Frage auf, wie viele rassistische Feindbilder in unserem kollektiven Bewusstsein verwurzelt sind.

Darüber hat er mit den Jugendlichen diskutiert, und daraus ist ein Streit entfacht: Anders als geplant ist statt dem Film VORLAGER IST IN KUBA aus rechtlichen Gründen der neue Film MY PAST, NOT YOUR FUTURE entstanden, der nicht diese Gespräche, sondern die Perspektive des Regisseurs und die Entstehungsgeschichte des Films dokumentiert.

Damit sind wir mitten in aktuellen Debatten über „white fragility“, Mohrenapotheken und Schwarze Madonnen. Wir wünschen dem Film, das er noch viele Diskussionen, und nicht nur an Lagerfeuern, entfacht.

Dokumentation, D 2020, 12 min
Regie/ Drehbuch/ Produktion: Johannes Krug
Kamera: Paul Drey

Demokratiepreis: EIGENBEDARF von Julius Grimm

Bezahlbarer Wohnraum ist längst nicht mehr nur in den Metropolen Mangelware geworden. Gleichermaßen relevant, ist das Thema neben Flüchtlingswelle, Rechtsruck, Klimawandel und der zuletzt alles beherrschenden Corona-Krise etwas in den Hintergrund geraten.

Julius Grimm greift es in seinem Spielfilm EIGENBEDARF auf, den er in der nahen Zukunft angelegt hat und augenzwinkernd, aber trotzdem mit dem nötigen Ernst die richtigen Fragen stellt.

2025, die Mieten in München sind so gestiegen, dass sich kein normal verdienender Mensch mehr eine Wohnung in der Stadt leisten kann. Der Ausweg? Die Münchner leben in einer Zeltstadt außerhalb der Metropole. Es herrscht ein gutes Miteinander, bis ein Großinvestor auftaucht, der Luxuszelte anbietet …

Spielfilm, D 2020, 20 min
Regie/ Drehbuch: Julius Grimm
Produktion: Katharina Kolleczek, Lea Neu
Besetzung: Vincent Redetzki, Gro Swantje Kohlhof

Publikumspreis: Girl meets Boy und Lychen 92

Der Publikumspreis ging mit gleichen Stimmen an GIRL MEETS BOY von Ferdinand Arthuber und Lychen 92 von Constanze Klaue.

GIRL MEETS BOY, Spielfilm von Ferdinand Arthuber, D 2020, 30 min

Gwen trifft Ben. Gwen hat mit den Themen Beziehung und Liebe vorerst abgeschlossen. Ben teilt ihre Einstellung und so treffen die beiden eine Abmachung. Sie einigen sich auf eine, im ersten Moment, einfache Regel ... Was bleibt, wenn die Masken fallen – wie viel Wahrheit brauchen wir für Nähe?

Regie/ Drehbuch: Ferdinand Arthuber
Produktion: Maximilian Traub, Leon Hellmann
Besetzung: Franziska Weisz, Carlo Ljubek

LYCHEN 92, Spielfilm von Constanze Klaue, D 2020, 30 min

Brandenburg 1992: Während in Rostock-Lichtenhagen die Autos brennen und über Ostdeutschland eine Welle rechter Gewalt zieht, versucht der 12-jährige Mo, sich während des Sommerurlaubs irgendwie zurecht zu finden, während sich seine Eltern und Freunde mehr und mehr verlieren.

Regie/ Drehbuch/ Produktion: Constanze Klaue nach der Kurzgeschichte Elmer von Andreas Steinhöfel
Besetzung: Karl-Bruno Hanke, Béla Westhaus, Jona Domke
» Website zum Film

2017

Jurypreis: „Terrier“, Spielfilm von Ozan Mermer, erhält den Blasi; die zweite Hälfte des Hauptpreises geht an „Kopfüber“, Animationsfilm von Daniel Thomaser
Innovationspreis der Jury: „Iridescence“ von Eileen Byrne
Lobende Erwähnung der Jury: „Der faulige Duft von Zedernholz“ von Stefan Bürkner und „14,74 oder das Streben nach Mittelmäßigkeit“ von Antoine Dengler
Lobende Erwähnung für den Innovationspreis: „Nicole’s Cage“ von Josef Brandl und „Eine Villa mit Pinien“ von Jan Koester
Preis der filmzeitinternational: „On the Roof“ von Amirhossein Kotobzadeh
Preis der dokufilmzeit: „Galamsey – Für eine Handvoll Gold“ von Johannes Preuss
Publikumspreis: „Krampus“ von Christoph Pilsl
Preis der kinderfilmzeit: „Messermädchen“ von Annika Tepelmann

2016

Jurypreis: „Invention of Trust“, Spielfilm von Alex Schaad
Innovationspreis der Jury: „Schwimmstunde“, Spielfilm von Katja Benrath
Lobende Erwähnung der Jury: „Mayday Relay“, Spielfilm von Florian Tscharf
Lobende Erwähnung der Jury: „Am Fenster“, Komödie von Tim Ellrich und Leonhard Kaufmann
Preis der filmzeitinternational: „Tea for Three“, Experimentalfilm von Samuel Vines
Preis der filmzeitextra: Die Last der Erinnerung“, Komödie von Albert Meisl
Publikumspreis: 90 Grad Nord“, Spielfilm von Detsky Graffam
Preis der kinderfilmzeit: Kinder sind Engel“, Spielfilm von Bahar Ebrahim

2015

Jurypreis: „Erledigung einer Sache“, Spielfilm von Dustin Loose
Lobende Erwähnung Jurypreis: „Das Begräbnis des Harald Kramer“, Spielfilm von Marc Schlegel
Innovationspreis: „The Lost Soul“, Spielfilm von Tommi Kainulainen
Lobende Erwähnung Innovationspreis: „Bär“, Spielfilm von Pascal Flörks
filmzeitextra: Preis zum Sonderthema „ACHTung!“ des Festivalteams: „Grüneres Gras“, Dokumentarfilm von Veronika Hafner
Publikumspreis: „Das Begräbnis des Harald Kramer“, Spielfilm von Marc Schlegel
Publikumspreis der kinderfilmzeit: „Paß doch auf“, Spielfilm von Elias Sebastian Pölt

2014

1. Jurypreis: „Wind“, Animationsfilm von Robert Löbel.
2. Jurypreis: „Meine Beschneidung“, Spielfilm von Arne Ahrens.
Innovationspreis: „Im Himmel kotzt man nicht“, Spielfilm von Katja Benrath, Florian Hirschmann und Daniela Sandhofer.
Preis zum Sonderthema „Das verflixte 7.“:„Der späte Vogel“, Spielfilm von Sascha Vredenburg.
Publikumspreis: „Border Patrol“, Spielfilm von Peter Baumann.
Publikumspreis der kinderfilmzeit: „Fürchtet Euch nicht“, Spielfilm von Marc André Misman.

Belobigung der Jury: „The Voice of God“, Experimentalfilm von Bernd Lützeler.

2013

Jurypreis: „Memo“, Spielfilm von Banu Kepenek.
Sonderpreis der Jury: „Bouchbennersch Otto“, Dokumentarfilm von Janina Jung.
Innovationspreis: „One Shot“, Spielfilm von Dietrich Brüggemann.
Preis zum Sonderthema „Farbe Sex“: „Another fucking ...“, Spielfilm von Katharina Marie Schubert.
Publikumspreis: „The Centrifuge Brain Project“, Mokumentary von Till Nowak.

Sonderbelobigung der Jury: „Gruppenphoto“, Spielfilm von Mareille Klein

2012

Jurypreis und Publikumspreis: „Gekidnapped“, Spielfilm von Sarah Winkenstette.
Kunstfilmpreis: „Ein Liebestraum“, Musikfilm von Julian Krubasik.

Lobende Erwähnung: „Welk“, Spielfilm von Daniel Vogelmann.

2011

Jurypreis: Jessi, Spielfilm von Mariejosephin Schneider.
Kunstpreis: „Das Heimweh der Feldforscher“, Spielfilm von Robert Gwisdek.
Publikumspreis: „Halbe Portionen“, Spielfilm von Martin Bunker.

Sonderbelobigungen:
„Klotz & Klumpen“, Animationsfilm von Michel Herm und Stephan Sacher.
Olgastraße 18“, Experimentalfilm von Liv Scharbatke und Jörg Rambaum.
Drei Knödel für Kneißl“, Animationsfilm von Daniel Zinner.

2010

Jurypreis: „Ich bin’s, Helmut“, Spielfilm von Nicolas Steiner.
Kunstpreis: Germania Wurst, Animationsfilm von Volker Schlecht.
Publikumspreis: Ravioli Ritter, Spielfilm von Félix Koch.

2009

Jurypreis: Jana was here, Spielfilm von Oliver Kienle.
Kunstpreis: „Passage“, Experimentalfilm von Katharina Duve.
Publikumspreis: Amoklove, Spielfilm von Julia C. Kaiser.

2008

Jurypreis: Wilhelm der Schäfer, Dokumentarfilm von Josie Rücker.
Publikumspreis: Nachts in den Karpaten, Puppen-Trickfilm von Kai Blisch und Adrian Marhoffer.